Warum also ein berufspraktisches Semester auf den Galápagos?
Diese Frage steht eigentlich immer am Anfang und ich habe sie bisher schon unzählige Male beantwortet. Am Anfang war bei da nicht das feste Ziel, ein Praktikum genau hier zu genau dieser Zeit unter den jetzigen Umständen zu machen. Es hat sich einfach die Möglichkeit ergeben.
Also warum nicht die Möglichkeit haben, eine neue Sprache zu lernen, einen völlig anderen Menschenschlag kennenzulernen, eine andere Arbeitswelt kennenlernen und am Wochenende noch
dazu die Möglichkeit haben, eines der interessantesten Ökosysteme dieser Erde zu entdecken?
Als ich vor drei Jahren nun anfing Spanisch zu lernen, bin ich zufällig im Internet auf einen
Studenten gestoßen, der für zwei Monate hier gearbeitet hat und nun versuchte, anderen diese Sache
schmackhaft zu machen. Da mir die Idee sehr gefiel, kam dann eins nach dem anderen zusammen:
Die Kontaktaufnahme mit meiner heutigen Abteilung hier auf den Galápagos, die Organisation und
Beratung in der Fachhochschule, die Finanzierung, die ganzen Reisevorbereitungen, etc. Da ich fast
zwei Jahre Vorlauf hatte, war alles entspannt zu bewerkstelligen. Viel Arbeit war natürlich schon
mit der Vorbereitung verbunden.
Wie ist nun die Arbeit hier im Nationalpark auf den Galápagos? Sicherlich völlig anders als die in
einem Unternehmen mit 300 Mitarbeitern in Deutschland. Und auch ganz anders, als ich es mir
vorgestellt hatte. Viele Dinge funktionieren hier völlig anders, manchmal besser, manchmal
schlechter. Die Sichtweise kommt hier meist auf den Blickwinkel an. So sind die Wege der
Kommunikation zwischen den Mitarbeitern ganz anders. Barrieren zwischen älteren und jüngeren
Kollegen gibt es keine. Hier macht der 60-jährige mit dem 25-jährigen Späße und umgekehrt. Diese
ständige Entdecken macht jedenfalls viel Spaß und ich werde sicherlich auch am Ende meiner Zeit
hier noch viel entdecken können. Die Arbeit ist jedenfalls anspruchsvoll und fordernd. Man hat hier
keine Angst, einem Praktikanten eine anspruchsvolle Aufgabe zu übertragen.
Auf der Arbeit klarzukommen war eine Sache. Eine andere war es, hier im Privatleben
klarzukommen, neue Freunde zu gewinnen, herauszufinden, wo man was machen kann. Hier hatte
ich am Anfang die meisten Probleme. Da hier die Informationsgewinnung hier im allgemeinen
schwierig ist und mein holpriges Spanisch im Moment auch keine große Sprünge zulässt, war alles
ein langsamer Kennenlernvorgang. Ich musste mich auch erst mal selber umstellen, da ich mit
meiner deutschen Art, Dinge zu planen, nicht weiterkam. Heute lasse ich die Dinge viel mehr
einfach auf mich zukommen und versuche nicht mehr aktiv zu planen. Hier gibt es immer
mindestens 10 Möglichkeiten etwas zu tun, wovon der, den man danach fragt, vielleicht 3 kennt.
Ein allgemeines Verständnis für den besten Weg, sei es der schnellste, der bequemste oder was auch
immer, gibt es nicht.
Es bleibt auf jeden Fall interessant. Auch wenn ich 1000 km von der nächst größeren Stadt entfernt
bin, so vermisse ich doch Großraumdisco und Multiplex-Graumraumkinos nicht. Einzig einem
schönen zartem Schnitzel und einem guten Kaffee trauere ich manchmal hinterher.
Dafür kann ich mir jetzt gleich Entspannung am blendend-weißen Sandstand gönnen.
So dann schöne Grüße von den Galápagos-Inseln aus Puerto Ayora auf Santa Cruz.
Ansgar Berhorn, 9 Oktober 2004